Triage

Was ist Triage?

Triage nach dem Emergency Severity Index verständlich erklärt:

Warum ein Triage-System zur Bekämpfung einer Pandemie so wichtig ist:

Die größte Herausforderung im Kampf gegen die Corona-Viren besteht für das Team einer Notfallstation darin, diejenigen Patienten, die eine sofortige oder zeitnahe Versorgung benötigen, schnell zu identifizieren.

Was sind Triage-Instrumente?

Triage-Instrumente helfen derjenigen Person, die den ersten Patientenkontakt hat, die Dringlichkeit einzuschätzen, mit der ein Patient versorgt werden muss.

Was bedeutet Triage-System und Triage-Modus im Krankenhaus?

Triage ist definiert als der Prozess, Notfallpatienten schnell einzuordnen, um die Priorität für die weitere Behandlung festzulegen. Für ein Krankenhaus und dessen Notfallstation bedeutet dies, den richtigen Patienten die richtigen Ressourcen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zuzuführen.

Oft sind es Pflegende, die den ersten Kontakt mit einem neu eintreffenden Patienten haben und die Dringlichkeit abschätzen, mit welcher der Patient versorgt werden muss. Triage durch Pflegende ist ein weltweit verbreitetes Notversorgungs-Konzept und ein Erfolgsprinzip bei der Versorgung von Notfallpatienten, das jetzt auch in der Bekämpfung des Corona-Virus zum Einsatz kommt.

Was ist der Emergency Severity Index (ESI)?

Der Emergency Severity Index  kurz ESI ist ein von amerikanischen Notfallmedizinern und -pflegenden entwickelter fünfstufiger Triage-Algorithmus.

In wissenschaftlichen Studien konnte die gute Verlässlichkeit des ESI bewiesen werden.

Hierbei fliesst der tatsächliche Ressourcenbedarf in die Zuteilung eines Triage-Level ein. Der Triage-Algorithmus besteht aus vier Entscheidungspunkten, die durch das triagie­renden Mediziner bewertet werden.

Die herausragende Besonderheit des ESI gegenüber anderen Triageinstrumenten ist, dass bei den Patienten, die keine sofortige oder zeitnahe Behandlung benötigen, neben der Akutheit bzw. Dringlichkeit des Leitsymptoms auch der vermutli­che Ressourcenbedarf in die Zuteilung ei­nes Triagelevels einfließt.

So können Patienten mit komple­xen Gesundheitsproblemen von solchen mit weniger komplexen unterschie­den und den entsprechen­den Behandlungs­pfaden zugewiesen werden.

So funktioniert das Triage-Prioritäten-System:

Triage-Level-1

Bei ESI-­Level 1 (höchste Dringlichkeit) muss die Behandlung sofort begonnen werden.

Triage-Level-2

Bei ESI-Level 2 gilt: die pflegerische Versorgung muss – gemäß den institutionsüblichen Protokollen – sofort beginnen und eine erste ärztliche Beurteilung nach 10 min erfolgt sein.

Dabei gilt, dass die im Triage-System geltenden Zeiten für die ESI-Level 3–5 der jeweiligen medizinischen Institution selbst überlassen, denn die Ressourcen fallen je nach medizinischer Versorgungseinrichtung völlig unterschiedlich aus.

Was ist eine Triage-Ressourcen-Tabelle?

Im Unterschied zu anderen Triageinstrumenten existieren beim ESI nur für die beiden niedrigsten Triagelevel Zeitvorgaben, nach denen die Behandlung eines Patienten begonnen sein muss.

Erforderliche medizinische Ressourcen und Analyseverfahren im Triage-Modus:

Wenn medizinische Informationen vorliegen:

  • Laborwerte (Blut, Urin), EKG, Röntgen, CT, MRT, Ultraschall, Angiographie
  • Infusionen (Hydrierung)
  • intravenöse Medikamentenversorgung oder intramuskuläre Medikamentenzufuhr
  • Inhalationen / Aerosole
  • Fachärztliche Konsilien
  • Einfache Maßnahmen = z.B. Wundverschluss, Blasenkatheter
  • Komplexe Maßnahmen = z.B. Analgosedierung

Maßnahmen im Triage-Mode, wenn medizinische Informationen erforderlich sind:

  • Anamnese und Untersuchung
  • Schnelltests vor Ort
  • Spülen von intravenösen Zugängen, Heparinblock
  • per os Medikamente z.B. Tetanus-lmpfung (per os = über den Mund)
  • Rezept ausstellen
  • Telefonat mit Hausarzt
  • Einfache Wundversorgung wie Wundverband oder  Nachkontrolle

„Wesentliche Voraussetzung für die Anwendung des ESI sind ein vertieftes medizinisches Wissen und klinische Erfahrung der triagierenden Fachperson.“

Die 4-Entscheidungskriterien des ESI-Triage-Systems

Im Folgenden werden die vier Entscheidungspunkte A– D des ESI-Triage-Systems vorgestellt:

ESI-Entscheidungspunkt A:

Notwendigkeit sofortiger lebensrettender Maßnahmen!

Am Entscheidungspunkt A stellt sich die tria­gierende Fachkraft am medizinischen Einsatzort  die Frage, ob es sich um einen akut in seinen Vitalfunktionen bedrohten Patienten handelt.

Entscheidungspunkt A positiv?

Falls diese Frage mit ja beantwortet wird, ist der Triage­prozess beendet und der Patient wird dem ESI-Level 1 zugeordnet. Das ESI-Kriterium ist erfüllt, wenn der Patient sofortige lebensrettende Maßnahmen benötigt (Atemwege, Notfallmedikamente) oder sich in einem der folgenden klinischen Zustände befindet:

  • bereits intubiert
  • Apnoe
  • Pulslosigkeit
  • schwerste Atemnot
  • Sauerstoffpartialdruck (SpO2) <90%
  • akute Bewusstseinsveränderung
  • nicht ansprechbar

Beispiele für ESI-Level 1 sind:

  • Herzstillstand
  • Atemstillstand
  • Thoraxschmerz mit Kreislaufinstabilität
  • anaphylaktische Reaktion
  • Hypoglykämie mit Bewusstseinsveränderung
  • komatöser (keine Reaktion)
  • Patient mit Foetor aethylicus

ESI-Entscheidungspunkt B:

Hochrisiko-Situation, verwirrt / lethargisch / desorientiert oder starke Schmerzen / großes Leid

Wird die Frage am ESI-Entscheidungspunkt A mit nein beantwortet, kommt ESI-Entscheidungspunkt B zum tragen: Hier evaluiert die medizinische Fachkraft, ob der zu beurteilende Patient mit seiner Behandlung warten kann.

3 wichtige Triage-Situationen

Drei Situationen kommen in dieser medizinischen Situation in Betracht, falls diese Frage mit ja beantwortet wird:

1. Es besteht eine Hochrisikosituation. Um eine solche zu erkennen, ist medizinisches Fachwissen sowie und möglichst breite klinische Erfahrung erforderlich.

Beispiele für Hochrisikosituationen sind:

  • Thoraxschmerzen bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom bei einem kreislaufstabilen Patienten
  • Verdacht auf Extrauteringravidität bei hämodynamischer Stabilität
  • Anzeichen eines Schlaganfalls bei einem Patienten, der nicht die Kriterien für ESI-Level 1 erfüllt
  • ein suizidaler oder fremdgefährdender Patient

2. Der Patient zeigt eine neu aufgetretene Verwirrtheit, Lethargie oder Desorientiertheit.

In dieser medizinischen Lage ist die Fremdanamnese wichtig. Ist keine Fremdanamnese verfügbar, muss davon ausgegangen werden, dass eine Veränderung des mentalen Status neu aufgetreten ist.

3. Der Patient hat starke Schmerzen oder erfährt großes Leid.

Die Beurteilung von starken Schmerzen basiert auf einer Kombination aus Selbsteinschätzung des Patienten (Schmerzscore ≥7 auf einer Schmerzskala von 0–10) und der klinischen Beobachtung der Fachperson sowie der Möglichkeit, bereits bei der Triage schmerzlindernde Interventionen durchzuführen (Schmerzmittel per os, Eisauflage, Ruhigstellung). Großes Leid kann physisch oder psychisch sein. Beispiele für physisches Leid sind: Harnverhalt oder Priapismus. Psychisches Leid erfahren zum Beispiel Opfer von (häuslicher) Gewalt oder eines sexuellen Übergriffs. Auch Patienten mit Wahnideen oder manische Patienten fallen in diese Kategorie. Sie können nicht in der Wartezone bleiben und benötigen sofortige Betreuung und Interventionen.

ESI-Entscheidungspunkt C:

Im ESI-Entscheidungspunkt C stehen die benötigten Ressourcen im Fokus. Hier schätzt die triagierende Fachperson ab, welche und wie viele Ressourcen der Patient voraussichtlich benötigt, bis eine Entscheidung über stationäre Aufnahme, Verlegung oder Entlassung gefällt werden kann.

Dabei zählen – mit wenigen Ausnahmen – diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die über eine körperliche Untersuchung hinausgehen (z.B. Labor, Elektrokardiographie, Bildgebung, Wundversorgung) als Ressourcen.

Patienten, die keine Ressourcen benötigen, erhalten ESI-Level 5 und diejenigen, die eine Ressource benötigen, ESI-Level 4.

Benötigt der Patient zwei oder mehr Ressourcen, gelangt man zum Entscheidungspunkt D.

ESI-Entscheidungspunkt D:

Am ESI-Entscheidungspunkt D werden die Vitalzeichen des Patienten beurteilt. Liegen die Vitalwerte außerhalb bestimmter Grenzwerte, muss die triagierende Fachperson erwägen, den Patienten dem ESI-Level 2 zuzuteilen.

Das medizinische Fachpersonal muss sich die Frage stellen, ob die Vitalzeichen in Zusammenhang mit dem klinischen Bild eine Zuteilung zum ESI-Level 2 nötig machen. Ansonsten erhält der Patient ESI-Level 3.

Quelle: Emergency Severity Index, Universitäts-Spital-Zurich, Schweiz

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.